Frühes gab es den Blog-Blues, weniger gefühlte Wichtigkeit, zurückgehender Verlinkungsgrad und mehr Aktivität in anderen, neueren, schöneren Social Media Spielzeugen.
In der letzten Zeit beobachte ich an manchen Stellen ähnliche Syptome im Hinblick auf gehypte Plattformen wie Twitter & Co.

In Web 2.0 Weenies and Bullshit Social Media Economics sinniert Michael Gray über new media douchebags (übersetzt New Media Arschlöcher) und die damit verbundene Aufmerksamkeits-Ökonomie.

An anderer Stelle spitzt man das gehypte Twitter auf:

Wunderbar wie Tweetie (so heißt der Vogel doch?) auf die Frage “Who are they talking to?” antwortet “No one! And everyone …”.
Klar, viel davon erinnert mich an Diskussionen um Blogging, um vermutete Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrome und gefühlten Exhibitionismus. Und doch, ich ertappe mich beim Nicken, wenn der Skeptizist argumentiert. “I don’t care what other people are doing every second of the day.”

Es geht mir aber nicht nur darum, dass nicht jeder Schritt und Tritt für den Rest der Welt interessant ist, sondern um das Digital Noise, das Rauschen an digitalen Informationen, die in ihrer schieren Menge kaum bewältigbar sind. Themen wie Relevanz mal aussen vorgelassen. Wie will man bei mehr als 100 Followern bzw. Leuten denen man selber followt bei Twitter den versendeten Tweets folgen?
Zudem ist man meist nicht nur in einem Social Network aktiv, sondern es kommt noch andere wie Friendfeed hinzu, Social Bookmark Services, Qype, ein eigens Blog, Xing oder Linkedin, Facebook, StudiVZ und so geht das weiter. Menschen haben nur eine begrenzte Aufnahmekapzität und begrenzt Zeit. Deswegen scannen wir Texte, die wir online lesen mit den Augen, deswegen übersehen wir im Supermarkt tausende von Produkten, während wir nach dem suchen, was bisher immer in Gang 12 zu finden war.

Die Massen an Informationen dürfte für viele nicht oder nur schwer bewältigbar sein. Eine Schlussfolgerung dieser Behauptung ist, dass damit einhergehend der Bedarf an Filter-Systemen enorm steigen wird. Denn was ich mir nicht vorstellen kann, ist dass sich das Rad an öffentlicher Selbstinszenierung zurückdrehen lässt.
Solche Filter werden so intelligent sein müssen, dass ich als Nutzer möglichst nichts oder nur wenig konfigurieren muss, wenig bewerten muss und nicht allzu viele Informationen über meine eigenen sozialen Verbindungen eingeben muss (preisgeben schon eher). Sie müssen trotzdem in der Lage sein nicht nur meine bestehenden Interessen zu berücksichtigen, sondern auch zu erkennen, was sonst noch für mich interessant ist, denn sonst werden die angebotenen Informationen Einheitsbrei, badet man im eigenen Saft. Zudem werden diese Filtersysteme immer wieder neue Social Media und sonstige Applikationen mitberücksichtigen müssen, denn wer sagt dass Twitter oder Facebook in zwei Jahren noch relevant sind? Durchaus denkbar, dass sie längst von Anderen abgelöst sind, beispielsweise von personalisierten Filtersystemen.

Im kleinen gibt es sowas schon an vielen Ecken und Enden, aber ich bin gespannt, wo die Reise unter den Stichworten Filtersysteme und Recommendation-Engines hingehen wird.