Ich finde es sehr gut, dass es zu Facebook eine ernstzunehmende Konkurrenz gibt, die das Potential hat, dem bislang unangefochtenen Marktführer das Leben schwer zu machen. Wettbewerb belebt das Geschäft, und so kann es aus Nutzersicht nur von Vorteil sein, wenn Facebook und Google+ darum konkurrieren, wer die besten Services bietet.

Schon seit einiger Zeit betreibe ich auf Facebook für mein Blog ombelico.de auch eine Fanpage. Insgesamt eher als Spielwiese, denn als weitreichende Ergänzung zum Blog, erlaubt sie mir, mich mit den Möglichkeiten der Fanpage auseinanderzusetzen. Es lag also nah, sich auch mal die Google+ Pages anzuschauen und auszuprobieren, was man damit so anfangen kann.

Eine Google+ Page ist superfix aufgesetzt und erstellt. Ein gut gestaltetes Interface lotst einen durch den Prozess und nach ein paar Klicks ist man im Grunde auch schon fertig.

Wer sich vorher schon mit Circles, Hangouts & Co auseinandergesetzt hat, dem wird es gefallen, dass diese Funktionen auf den Pages genauso funktionieren. Schnell noch ein paar Infos und Kopfbilder hinzugefügt und schon geht’s los mit dem ersten Posting!

Im Falle meiner Google+ Page war es schon ein sehr schönes Gefühl, den Stream mit einer solchen Meldung zu eröffnen. :-)

Aber ab dann, ist man auch schnell wieder ernüchtert. Denn wesentlich mehr kann man eigentlich nicht machen. Und viele der Kinderkrankheiten, die Facebook mit seinen Fanpages schon hatte, begegnen einem bei Google+ aufs Neue. Kann doch eigentlich nicht sein, denkt man sich. Wieso wird da etwas unterhalb des ohnehin schon nicht hohen Niveaus von Facebook angeboten.

Hier ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind und die ich sehr gerne auf eine ToDo-Liste für das Google+ Team setzen würde.

Freischalten einer Page
Sobald man eine Page erstellt hat, ist sie auch online. Es gibt keinen Weg die Page erstmal in Ruhe zu konfigurieren, und dann freizuschalten. Die damit verbundenen Nachteile dürften auf der Hand liegen. Keine Marke wird es toll finden, wenn eine halbfertige Google+ Repräsentanz noch vor dem eigentlichen Startschuß von den ersten Fans gefunden wird. Mal abgesehen davon, dass man als umsetzende Agentur auch auf Freigaben durch den Kunden angewiesen ist.

Posten von Beiträgen
Das Posten von Beiträgen für eine Page, finde ich reichlich umständlich. Betrachtet man die eigene Page, so kann man kein Posting schreiben. Man muss vielmehr auf die Übersicht wechseln (sozusagen der Stream des Page-Profils) um ein Posting für die Google+ Page zu schreiben.
Noch funktionaler wäre es, wenn man als Nutzer entscheiden könnte, ob man sein Posting als Privatperson in seinem Profil oder für seine Page posten möchte.

Design
Ich finde ja schon die Möglichkeiten bei Facebook äußerst eingeschränkt, aber bei Google+ geht noch weniger. Für eine Marke, kann man hier nur sehr eingeschränkt eine visuelle Identität schaffen. Für den Anfag könnte es helfen, wenn man in dem Kopfbereich in dem man im Augenblick ein paar Fotos unterbringen kann, auch eine Flash oder HTML5 Animation einfügen könnte.

Vorschau-Modus
Eine Funktion, mittels derer man sehen kann, wie eine Google+ Page für ausgeloggte und eingeloggte Nutzer aussieht, fände ich sehr nützlich. Klar kann man das auch mit einem zweiten Browser machen, aber wenn man dann mal optisch mehr machen kann, wäre das sicher hilfreich.

Speaking URL
Google+ Pages haben wie die Google+ Profile eine <ironie>leicht zu merkende ID in der URL</ironie>. Für die ombelico.de-Google+ Page lautet die URL http://plus.google.com/115074263356477180565/. Echt leicht zu merken, oder? Ganz davon zu schweigen, dass man eine solche URL nicht in der Markenkommunikation verwenden kann. Damit meine ich natürlich nicht mein kleines Blog bzw. dessen Google+ Page über das bel paese. Ich meine große Marken, die viel Geld in ihrem Social Media Etat haben und sich überlegen, ob sie von dem Kuchen auch was für Google+ Pages investieren sollen. Die fänden Speaking URLs im Sinne von plus.google.com/Markename sicherlich viel schmückender.

Mit dem Zaunpfahl, dass eine Speaking URL auch ein wichtiger SEO-Aspekt ist, brauche ich bei einem Google-Produkt gar nicht erst winken.

Statistiken
Derzeit gibt es noch kein Statistik-Funktion für Pages (oder erstmal nur für den Business-Bereich?). Wünschenswert wäre, wenn man direkt Google Analytics hier anbinden könnte. Dabei sollte aber für den deutschen Markt darauf geachtet werden, dass man diese dann Datenschutzkonform mit IP-Verfremdung nutzen kann, damit hier nicht die selben Probleme wie bei den Facebook Insights entstehen. Diese sind wie bekannt, ja im Visier der deutschen Datenschützer.

Datenschutz & +1-Button
Google hat nach eigenem Bekunden Google+ um den Datenschutz herum gebaut. Also das Interesse der Nutzer, selbst entscheiden zu wollen, welche Daten wem zur Verfügung stehen sollen, ernst genommen. Ich habe das Thema Datenschutz ja schon einen Absatz weiter oben angesprochen. Als Website- und Page-Betrieber, wäre es auch wichtig sichergehen zu können, dass es beim +1-Button nicht ähnliche Datenschutzprobleme gibt, wie bei den Social Plugins von Facebook. Leider habe ich hierzu bisher nichts eindeutiges gehört.
Überhaupt wäre Google+ gut damit beraten, aus den Fehlern und dem Ärger den Facebook gerade mit dem Thema Datenschutz in Deutschland hat, zu lernen und sich daraus auch im Kontext von Google+ Page und dem dazugehörigen +1-Button einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Mehrere Administratoren, Rollen, Rechte
Wollen oder sollen mehrere Personen eine Google+ Page betreuen, geht das derzeit nur über Account Sharing. Dass das keine sinnvolle Lösung ist, muss man nicht weiter ausführen. Einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber Facebook hätten Google+ Pages, wenn man für die verschiedenen Inhalte der Page auch verschiedene Berechtigungen im Rahmen eines Rechtekonzepts festlegen könnte. So dass es beispielsweise nur einen Administrator gibt, der neue Funktionen aktiviert etc., mehrere Redakteure für Postings und einen der sowohl Postings als auch die allgemeinen Informationen zur Page ändern kann. Freigabeworkflows wären das höchste der Gefühle, aber ich denke darauf kann man auch erstmal verzichten.

Benachrichtigungen
Da meine Google+ Page für ombelico.de noch einer überschaubaren Menge an Circles hinzugefügt wurde, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich nichts übersehen habe und in keinem der Fälle eine Benachrichtigung erhalten habe. Ich finde es etwas unkomfortabel selber nachschauen zu müssen, ob und wer meine Google+ Page einem Circle hinzugefügt hat oder ob jemand die selbst geposteten Inhalte geteilt hat.
Zumal man diese Benachrichtigungen auch wieder nur über die Übersicht, aber nicht von der Page selber aus erreichen kann.

Spezielle Features, Funktionen, zusätzliche Inhalte
Im Grunde ist die Google+ Page auch nicht mehr, als ein Google+ Profil.
Zusätzliche Funktionen etc. sind bis dato Fehlanzeige. Nicht mal ein Impressum (wieder so ein rechtlicher Aspekt, der für Page-Betreiber wichtig ist) kann man hinzufügen. Da sehe ich großen Nachholbedarf. Mit dem Status Quo gewinnt man gegenüber Facebook Fanpages keinen Blumentopf.

PS: Viele der hier angesprochenen Punkte, habe ich mittels der Feedback-Funktion (siehe unterer, rechter Rand, wenn Ihr in Google+ aktiv seid) an Google geschickt. In einem Präsentationsmeeting hatte jemand von Google gesagt, dass an Feedback hohes Interesse besteht und eben dies im Grunde die Möglichkeit sei, selber den Funktionsumfang der Google+ Pages zu beeinflussen. Ich würde mich freuen, wenn zumindest einiger dieser Dinge in nächster Zeit in die Weiterentwicklung der Google+ Pages einfliessen würden.