Cena

Samstag, 07.07.2007, am frühen Abend geschrieben

Wochenlang lag ich meinen Mailänder Kollegen damit in den Ohren, dass wir uns in Rom treffen sollen.
“Kommt nach Rom! Wir mieten uns ein Appartement zusammen.”
“Bringt Eure Familien mit. Das wird bestimmt cool!”

Alberto und Pietro waren aber eher abwartend. Die Arbeit könnte dazwischenkommen …
So früh könne man sich nicht festlegen. Außerdem mache man in Italien nunmal im August Urlaub.
Ich ließ trotzdem nichts unversucht, den Kollegen meine Idee schmackhaft zu machen. So erinnerte ich versteckt und unversteckt in Mails und Gesprächen daran, dass wir im Juni ja in Rom sind …

Drei vier Tage bevor wir noch Rom flogen, schrieb ich Alberto eine Mail, weil ich im ZDF einen Bericht über den Film Mio fratello è figlio unico gesehen hatte. Er geht viel zu selten ins Kino und ich dachte ich schicke ihm mal einen Filmtip. Ein gemeinsames Treffen in Rom, hatte ich abgehakt.

Seine Antwort war dann allerdings mehr als eine Überraschung. Sie hatten just zu der Zeit, als Ruth und ich in Rom waren, einen Präsentations-Termin bei einer großen italienischen Bank vereinbart!
Ich rief sofort an und wir machten gleich aus, dass wir uns am Abend vorher zum Essen treffen. Nachdem ich auflegte führte ich einen kleinen Freudentanz auf.

Nach dem klassischen Konzert, dass in den Ruinen des Teatro di Marcello stattfand, trafen wir uns Fori Imperiali Ecke Via Cavour.

Von dort aus, gingen wir in ein nicht allzu entferntes Restaurant, das ihm seine Schwester empfohlen hatte. Ich meine es sei in der Via della Madonna dei Monti gewesen.

Mit Italienern in Rom essen zu gehen, ist etwas völlig anders, als wenn man als Ausländer in ein Restaurant geht. Einerseits ist die Sprachbarriere zum Kellner nicht da bzw. kann schnell mit Hilfe der italienischen Freunde überwunden werden und andererseits marschiert man viel ungezwungener in Läden, in den sonst nur Italiener sind.
Wir baten den Kellner um Empfehlungen und er ratterte in römischem Dialekt runter, was er als Vorspeise empfiehlt. Alberto nickt und grübelte dann, wie er uns dies nun übersetzen solle. “Gehen”, “stehen”, “reden” kann man mit ein bisschen Englisch-Kenntnissen leicht übersetzen, aber bei kulinarischen Fachbegriffen, liegt die Latte gleich höher.
“I think we have a problem in translation” begann er, worauf ich ihn unterbrach und sagte, dass ich den Kellner schon verstanden habe. Ich erntete verdutzte Gesichter von Alberto, Pietro und des Kellners.
Natürlich wussten sie, dass ich italienisch spreche, aber das scheinen sie mir dann doch nicht zugetraut zu haben.
Ich übersetzte Ruth soweit ich es verstanden hatte die Vorspeisen und später auch das Hauptgericht, wir orderten und machten eine Gesprächsrunde mit einer wilden Mischung aus Deutsch, Italienisch und Englisch.

Irgendwann setzte sich plötzlich die Restaurant-eigene Katze auf meinen Schoß. Als der Kellner das sah, machte er Anstalten sie zu vertreiben, aber ich bedeutete ihm, dass das schon OK ist.
Ruths Katzenliebe hatte ein neues Objekt gefunden, und so streichelten wir beide das Fellchen bis zur Vorspeise.

Später kam dann noch eine weitere Katze und beide kuschelten vor allem mit Alberto, Ruth und mir.

Als wir gingen, stellte ich auf der Straße fest, dass mein Rucksack verdächtig feucht war. Und richtig, eine der beiden Katzen hatte uns scheinbar so lieb, dass sie auf den Rucksack geschifft hatte.
Keine schöne Sache, aber irgendwie fand ich es amüsant. Was sollte man auch machen?

Wir spazierten noch ein wenig durch eine laue, römische Nacht und nahmen uns ein Taxi für den Heimweg.



Rom - Fettnäpfchen im Flieger

Dienstag, 19.10.2004, früh morgens geschrieben

Auf dem Rückflug nach Düsseldorf, saßen wir in der vorletzten Reihe im Flugzeug. Hinter uns zwei Mädels und ein alter Typ.
Die eine von den beiden war eher schweigsam, die andere hatte enormen Mitteilungsbedarf. Besonders schön, als sie kurz vor dem Start plötzlich “von den Leuten die in den Fliegern saßen, die in die Zwillingstürme geflogen sind” sprach.
“Sehr feinfühlig” meinte ihre Freundin nur knapp und schwieg weiter. Die andere dann auch, wofür ich sehr dankbar war.



Grüsse aus Rom

Freitag, 17.09.2004, am frühen Abend geschrieben

Ruth und ich waren gerade auf dem Weg zur Bocca della Verita. Um den Tiber zu überqueren, gingen wir über die Isola Tiberina und machten einen Augenblick halt, um den Tiber zu betrachten.
In einiger Entfernung sah ich einen alten Mann. Komisch gekleidet, mit einem Stock und einem Buckel, der vor sich hinredete und jeden an ihm vorbeigehenden Passanten, ob Tourist oder Einheimischer, auf italienisch begrüßte. Aber es gelang ihm nicht, mit jemand Kontakt aufzunehmen. Alle nickten ihm nur zu oder ingorierten ihn gleich ganz.

Ruth machte den Fehler auf sein Gerede zu reagieren und ihn auch zu begrüssen, was er dankbar als Einladung zum Gespräch annahm. Nachdem er herausgefunden hatte, das wir weder Italiener, noch Briten und auch keine Franzosen, sondern Deutsche waren, hatte er sein Thema. Jedenfalls erzählte er, dass er in Deutschland war (ein paar Worte konnte er) und in ein paar anderen Ländern auch.
Er fragte mich, ob wir verheiratet seien(?). Verlobt? Ob wir Kinder hätten?
Irgendwo zwischen Wegwollen, freundlich sein und sich die Antworten aus der Nase ziehen lassen beantwortete ich seine Fragen. Zum Schluß machte er ein Foto von uns und ließ sich unsere Adresse geben.
Ich überlegte, ob ich ihm eine falsche Adresse aufschreiben sollte. Irgendwie war mir das alles ein wenig zu viel.
Wir verabschiedeten uns, winkten und gingen Richtung Bocca della Verita.

Am Samstag lag in meinem Briefkasten ein Brief aus Rom mit einem Foto von Ruth und mir.
Keine Absenderadresse, nur ein paar Grüße von Enzo.
Mann bin ich froh, daß ich nicht so ein Blödmann war und eine falsche Adresse aufgeschrieben habe.



Nachtrag

Donnerstag, 26.08.2004, am Nachmittag geschrieben

Anläßlich der Hochzeit von Sandra und Justus waren wir vor zwei Wochen in Berlin. Kleine Fotostrecke.


Ruth im Wannsee


Hochzeitspaar


Ruth am Brandenbruger Tor



United Colors

Donnerstag, 08.07.2004, am Abend geschrieben

Mein Heimweg führt mich meist über die Heinrich-Heine-Allee zum Umsteigen in die Strassenbahn Richtung Kirchplatz.
Die Heinrich-Heine-Allee ist sozusagen auch der Eingang zur Altstadt, insbesondere viel Publikum der Bolker Strasse läuft dann an meiner Haltestelle vorbei.
Die Altstadt ist insgesamt verrufen, die Bolker Strasse wahrscheinlich das ureigentliche Vorbild für den Ballermann. Fressgasse, Biermeile, Disco mit Plastikmusik. Hier gibt es alles und besonders nicht was mein Herz begehrt.
United Colors of Proletentum zieht gröhlend, schwadronnierend und Bier saufend an mir vorbei. Ein wahres Vergnügen für Völkerkundler, die die Auswirkungen deutscher Fröhlichkeit auf ahnungslose Ausländer studieren wollen.

Grosses Vergnügen bereit mir auch die direkt an der Haltestelle ansässige Pommesbude, bei der man typisch holländische Fritjes mit allerlei Saucen erstehen kann.
Schön wenn dann die eben erstandenen Fritjes mit in die Strassenbahn genommen werden und der ganze Wagen von den Wohlgerüchen von China-, Curry-, Americain- oder nur Ketchupsauce verwöhnt wird.



Du bist, Du hast

Dienstag, 06.07.2004, am späten Nachmittag geschrieben

Letzte Woche war ich total platt. Hat sich angefühlt, als würde Fieber kommen. Der Kopf schwingt, die Glieder fangen an zu schmerzen und die Körpertemperatur heizt sich auf.

Mittwoch platt. Fast 24 Stunden geschlafen. Nur unterbrochen von ein bisschen Fürsorge von Ruth und dem Halbfinalspiel Portugal gegen Holland.
Donnerstag platt. Fast 24 Stunden geschlafen. Nur unterbrochen von ein bisschen Fürsorge von Ruth und dem Halbfinalspiel Griechenland gegen Tschechien.
Donnerstag abends ging es mir langsam besser, noch starke Kopfschmerzen. Aber ich bin kein Ofen mehr, trotz leicht erhöhter Temperatur.

Freitag kurz im Office. Dann beim Arzt. Ein bisschen Medizin verschrieben.
Toll sind die medizinischen Expertisen.
Ich hab kein Fieber, nur erhöhte Temperatur. Kopfschmerzen sind schlimm.
Hast Du vielleicht Gelbsucht? Siehst so komisch aus.
Kopfschmerzen. Nicht ungesunde Gesichtfarbe. Glieder tun auch weh.
Ist bestimmt ein Virus. War bei mir auch so.
Irgendwie kriege ich wenig Luft. Stuhlgang könnte fester sein. Kopfschmerzen. Abends glühe ich wie ein Lagerfeuer.
Pfeiffersches Drüsenfieber hast Du! Lass Dir Blut abnehmen.

Mittlerweile gehts besser.



Mann bist Du blöd!

Montag, 05.07.2004, am Nachmittag geschrieben

Folgende Geschichte hat mir vor kurzem Thilo per Email geschickt.

Ha, und dann hab auch ich noch eine kleine Mär zu erzählen… als Jessica letztens ihren Geburtstag feierte, hat sie mich kurz vorher nochmal zum Einkaufen geschickt.
Unten an der Haustür fand ich einen Zwanzig-Euro-Schein und dachte noch “wow, kann ich ja noch ein paar Träger holen!” Da ich dann aber einen Block weiter einen 14jährigen Nachbarn aus dem Hinterhaus gesehen hab, bin ich eine Woche später, als ich ihn wiedertraf, zu ihm hin und hab gefragt, ob er nicht in der letzten Woche was verloren hat. Er verneinte, doch sein kleiner 8jähriger Bruder, der dabei war, sagte “Doch, nen Zwanni!” und da hat er sich erinnert und sagte “Klar, einen Zwanni…”. Also hab ich in die Tasche gegriffen und ihm nen Zwanni gegeben, weil ich dachte “Der kleene Furz hat’s doch noch nötiger…” Er hat sich riesig gefreut, aber der kleine Bruder meinte zu mir: “Mann, bist Du blöd!”
Da musste ich natürlich nachgrübeln… anders herum wäre es nicht so gelaufen… aber gerade das war es doch, was auch mich glücklich gemacht hat! Ich hab mich heilig gefühlt… ein Samariter der Straße… sozusagen… fast besser als ein paar weitere Sixpacks, zumal mein Kater nach Jessis Geburtstag unerträglich war!